1. Jan 2020 – 31. Dez 2025

ERHALT DER ROBOTRON-KANTINE

Ort: Kunsthaus

Einen Moment bitte,
die Bilder werden geladen …

Zum Erhalt der Robotron-Kantine

Im Juli 2019 hat der Dresdner Stadtrat mit großer Mehrheit für den Erhalt der ehemaligen Robotronkantine im Herzen der Stadt unweit des Deutschen Hygiene-Museums  entschieden. Als Zeugnis der ostdeutschen Architekturmoderne sollte die Kantine in städtisches Eigentum überführt werden. Der Erhalt und die öffentliche kulturelle Nutzung der Kantine für die Stadtgesellschaft wurde zum Leitprojekt in der Bewerbung Dresdens als Kulturhauptstadt 2025.

Um sich für eine Öffnung und Nutzung dieses Baus in exponierter Lage für die Stadtgesellschaft von morgen stark zu machen, hatten sich bereits zu Beginn des Jahres 2019  das städtische Kunsthaus Dresden als Teil der Museen der Stadt Dresden und ein Zusammenschluss aus Wissenschaft und Kreativwirtschaft, das Open Future Lab, zusammengetan und ihre Konzeptionen zusammengebracht. Ziel war es, in einem definierten Projektentwicklungsprozess ein gemeinsam tragfähiges und interdisziplinäres Konzept für eine Institution von nachhaltigem, europäischem Maßstab zu erarbeiten. Für die Kulturhauptstadtbewerbung wurde das im Zwei-Jahresrhythmus stattfindende Kunstprojekt Ostrale in die Konstellation der zu prüfenden möglichen Nutzer*innen aufgenommen.

In der Begründung der Experten-Jury zur Wahl der Europäischen Kulturhauptstadt fanden diese Bestrebungen eine lobende Erwähnung: als zukunftsweisendes Projekt, dessen Weiterführung empfohlen wird. Auch aufgrund dieser Empfehlung wurde eine Fortführung der Planung verbunden mit einer intensiven Arbeit an einem detaillierten Nutzungskonzept verfolgt.

Aufgrund der noch nicht abschätzbaren Folgen der Corona-Pandemie für den kommunalen Haushalt wurde das Vorhaben ebenso wie einige weitere Investitionsvorhaben der Landeshauptstadt Dresden im Frühjahr 2020 ausgesetzt.

 

Hintergründe und Initiativen

Angeschoben durch die Bürgerinitiativen ostmodern.org und Industrie.Kultur.Ost ist spätestens seit 2017 der Erhalt dieses Zeugnisses der ostdeutschen Architekturmoderne und Industriekultur Gegenstand eines lebhaften öffentlichen Interesses. Bereits 2017 lagen Vorschläge und für eine nachhaltige Instandsetzung und Erschliessung des Gebäude für eine neue Nutzung vor.

Unter Beteiligung des Stadtrates wie auch der städtischen Verwaltungen sollte eine gemeinsame Projektentwicklung mit weiteren Partnern der Kunst, Kultur, Kreativwirtschaft, Wissenschaft und Wirtschaft im Sinne der Kulturhauptstadtbewerbung befördert werden, um die Chance, die sich hier für die Stadtgesellschaft und den neuen Stadtteil bietet, für alle optimal zu nutzen.

Die Bewerbungsstrategie Dresden als Kulturhauptstadt Europas 2025 begreift Kultur als starkes Instrument öffentlicher Selbstverständigung und -vergewisserung möglichst vieler Menschen durch kreatives Machen und Erleben“ so lautete das Credo der Bewerbung. Dabei geht es um die Vergegenwärtigung von Innovation, Internationalität, Agilität, Viralität von in der Stadt bereits agierenden Organisationen und Einzelakteuren und die Schaffung eines niederschwellig erlebbaren Raumes von Wissen, Spekulation, Spiel, Intervention. Ziel aller Beteiligten, und so auch der Akteure, die sich mit dem Kunsthaus und Open Future Lab zusammengeschlossen haben, ist es, dass ein neuer Ort der Möglichkeiten für die Kulturhauptstadt 2025 und weit darüber hinaus erschlossen wird. An diesem Ort soll ein Knoten lokaler und internationaler Sichtbarkeit entstehen, der hilft das vorhandene Netzwerk großartiger Initiativen und Institutionen der Stadt noch enger zu knüpfen, in dem sich Schaffende und Rezipierende quer durch die Disziplinen begegnen.

Die Stadt hatte damit einen wichtigen Baustein für ein gemeinsames Leben, Denken und Arbeiten in der Zukunft gewonnen. Eine Zukunft, für deren Gestaltung wir Räume benötigen, in denen sich Stadtgesellschaft wiederfinden und aktiv an eben deren Ausgestaltung teilhaben kann.

Zur Geschichte des Gebäudes und den Ausgangspunkten weiterer Planungen

Der Entwurf stellt eine Nutzung dieses typischen Pavillonbaus der siebziger Jahre mit seiner umlaufenden Terrasse als Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst und Labor der Gegenwart vor. Zur künftigen Nutzung des Gebäudes hatten die Museen der Stadt Dresden und das Kunsthaus Dresden ein umfassendes, 53-seitiges Konzept vorgestellt, welches Teil einer dem Stadtrat vorliegenden Informationsvorlage des Geschäftsbereiches Stadtentwicklung, Bau, Verkehr und Liegenschaften der Landeshauptstadt Dresden ist (Vorlage Nr.: V2250/18).

Ein richtungsweisender nachhaltiger ökologischer Umgang mit Architektur im Bestand ist ein zentrales Anliegen eines erstmals Ende 2017 vom Kunsthaus Dresden vorlegten Konzeptes. Der zwischen 1969 und 1972 errichtete Zweckbau des Architektenkollektivs Herbert Zimmer, Peter Schramm und Siegfried Thiel bietet nahezu ideale Voraussetzungen für eine zeitgemäße Kulturarbeit an einem optimal gelegenen Standort.

Der Bau, der ähnlich wie der Kulturpalast als einer der letzten noch verbliebenen Einzelbauten in Dresden exemplarisch für modernes Bauen in der DDR steht, erlaubt nicht nur das Ausstellen großformatiger Kunst unter exzellenten Bedingungen, sondern soll, so das Anliegen des vorgestellten Nutzungsentwurfs, vielfache Kooperationen zwischen Kunst, Kreativwirtschaft, Wissenschaft und Stadtgesellschaft ermöglichen.

In unmittelbarer Nachbarschaft des Deutschen Hygiene-Museums und an einem familienfreundlichen wie auch in Bezug auf eine Freizeitorientierung verbesserten Standort mit seiner Lage zwischen Altstadt und Großem Garten könnte so in Synergie mit den benachbarten Kultureinrichtungen ein neuer, auf die aktive Beteiligung von Bürgerschaft und Nachbarschaft verschiedener Generationen ausgerichteter Ort der Kunst entstehen, der auch in der Zusammenarbeit mit regionalen, überregionalen und internationalen Partnern Dresden als Kulturstadt in ihrer Vielfalt sichtbar und für unterschiedliche Zielgruppen zugänglich macht.

Nutzungskonzept für Stadtgesellschaft und kulturelle Teilhabe

Zeitgenössische internationale Gegenwartskunst und -kultur im Dialog mit der baubezogenen Kunst, wie sie in Dresden zwischen 1958 und 1990 vor allem um Karl-Heinz Adler und Friedrich Kracht entstanden ist, zu zeigen, ist eine der zentralen Chancen, die das Vorhaben bietet. Die Aufgabe, den Erhalt des architektonischen Erbes durch seine  Nutzung zu sichern und im kulturellen Erleben der Stadtgesellschaft zu verankern, ist über die musealen Kernaufgaben hinaus als eine wichtige Verpflichtung der Museen festgehalten. Das Kunsthaus Dresden gehört seit 1. Januar 2017 zu den Museen der Stadt Dresden.

Bereits im 2008 vom Stadtrat verabschiedeten Kulturentwicklungsplan wird auf die Defizite der bisherigen Räume des teilsanierten Gebäudes in der Rähnitzgasse, dessen kleinteilige Altbaustruktur sich wenig für die Präsentation von Gegenwartskunst eignet, und in dem Flächen für kulturelle Bildung wie auch Veranstaltungsräume vollständig fehlen, hingewiesen. Der ungeeignete Standort wird hier wie folgt beschrieben: „Eines der wichtigsten Instrumente zur Förderung der zeitgenössischen Künste stellt die Unterstützung ihrer öffentlichen Präsentation bzw. der Distribution dar. Dies gilt insbesondere für bildende Kunst und Literatur. Deshalb ist die weitere Profilierung des Kunsthauses Dresden zum Ort des künstlerischen Experiments, an dem Gegenwartsprobleme verhandelt werden, bzw. zum Ort der Präsentation von internationaler Gegenwartskunst ein Schwerpunkt. Längerfristig gilt es, andere räumliche Lösungen ins Auge zu fassen, die per se eine Erhöhung der öffentlichen Aufmerksamkeit und eine Aufwertung des Genres mit sich bringen.

Partner und Empfehlungen im Frühjahr 2018

Das im Frühjahr 2018 veröffentlichte erste Nutzungskonzept für die ehemalige Betriebsgaststätte, das einen der Ausgangspunkte für die weitere Fortentwicklung im Rahmen der Kulturhauptstadtbewerbung bildete, wurde von einer Vielzahl an Empfehlungsschreiben und Interessensbekundungen flankiert. So sprachen sich der Rektor der Hochschule für Bildende Künste Dresden Matthias Flügge und die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden Marion Ackermann für die Umsetzung der vorgelegten Planung aus und formulierten ihren Wunsch, die Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus am neuen Standort weiter auszubauen.

Positive Stellungnahmen kamen im Frühjahr 2018 auch vom neu gegründeten Kunstverein Dresden e.V., dem Landesverband Bildende Kunst Sachsen e.V., von Memorare Pacem. Gesellschaft für Friedenskultur Dresden und dem Dresdner Geschichtsverein e.V.., der Architektenkammer Sachsen und dem BDA Landesverband Sachsen. Weitere Zustimmung erhielt das Konzept von überregionalen Kulturinstitutionen so u.a. wie dem Bereich Bildende Kunst des Goethe-Instituts in München und aus der Fakultät Kunst und Gestaltung der Bauhaus-­Universität Weimar.