Heute 1. Jan 2018 – 31. Dez 2019

ERHALT DER ROBOTRON-KANTINE

Ort: Kunsthaus

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  • Übereckansicht der Betriebsgaststätte (1970-73 von H. Zimmermann, P. Schramm, S. Thiel), Ansicht nach Nordwest, 1976. Foto: Richter, Regine, 1976. Eigentümer: SLUB / Deutsche Fotothek, http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/71074340
    Übereckansicht der Betriebsgaststätte (1970-73 von H. Zimmermann, P. Schramm, S. Thiel), Ansicht nach Nordwest, 1976. Foto: Richter, Regine, 1976. Eigentümer: SLUB / Deutsche Fotothek, http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/71074340
  • Visualisierung aus dem Nutzungskonzept des Kunsthaus Dresden
    Visualisierung aus dem Nutzungskonzept des Kunsthaus Dresden
  • Blick in den großen Saal A am Ende der achtziger Jahre. Foto: Eberhard Wolf
    Blick in den großen Saal A am Ende der achtziger Jahre. Foto: Eberhard Wolf
  • Die Robotron-Kantine. Foto: ostmodern.org
    Die Robotron-Kantine. Foto: ostmodern.org

In der ersten Jahreshälfte 2019 wird der Dresdner Stadtrat über Erhalt oder Abriss der ehemaligen Robotronkantine im Herzen der Stadt unweit des Deutschen Hygiene-Museums entscheiden.
Zur künftigen Nutzung des Gebäudes haben die Museen der Stadt Dresden und das Kunsthaus Dresden ein umfassendes, 53-seitiges Konzept vorgestellt, welches Teil einer dem Stadtrat vorliegenden Informationsvorlage des Geschäftsbereiches Stadtentwicklung, Bau, Verkehr und Liegenschaften der Landeshauptstadt Dresden ist (Vorlage Nr.: V2250/18).
Zum Jahresbeginn 2019 erfolgten erste Gespräche und daraus resultierend eine gemeinsame Positionierung des Kunsthaus Dresden und der Gruppe um das Open Future Lab, deren Konzeptionen bisher separat vorgelegen hatten, um im Rahmen der Kulturhauptstadtbewerbung und unter Beteiligung des Stadtrates wie auch der städtischen Verwaltungen eine gemeinsame Projektentwicklung mit weiteren Partnern der Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft im Sinne der Kulturhauptbewerbung zu befördern.

Die Aktivitäten der letzten Wochen waren darauf ausgerichtet, ein nachhaltiges Konzept für die Robotron-Kantine wie auch ihr Umfeld im Kontext der neu entstehenden Lignerstadt für 2025 und darüber hinaus zu skizzieren.

Der Entwurf stellt eine Nutzung dieses typischen Pavillonbaus der siebziger Jahre mit seiner umlaufenden Terrasse als Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst und Labor der Gegenwart vor. Ein richtungsweisender nachhaltiger ökologischer Umgang mit Architektur im Bestand ist ein zentrales Anliegen des vom Kunsthaus Dresden vorgestellten Konzeptes.

Der zwischen 1969 und 1972 errichtete Zweckbau des Architektenkollektivs Herbert Zimmer, Peter Schramm und Siegfried Thiel bietet nahezu ideale Voraussetzungen für eine zeitgemäße Kulturarbeit an einem optimal gelegenen Standort. Der Bau, der ähnlich wie der Kulturpalast als einer der letzten noch verbliebenen Einzelbauten in Dresden exemplarisch für modernes Bauen in der DDR steht, ermöglicht nicht nur das Ausstellen großformatiger Kunst unter exzellenten Bedingungen, sondern soll, so das Anliegen des vorgestellten Nutzungsentwurfs, vielfache Kooperationen zwischen Kunst und Bürgerschaft ermöglichen.

In unmittelbarer Nachbarschaft des Deutschen Hygiene-Museums und an einem familienfreundlichen wie auch in Bezug auf eine Freizeitorientierung verbesserten Standort mit seiner Lage zwischen Altstadt und Großem Garten könnte so in Synergie mit den benachbarten Kultureinrichtungen ein neuer, auf die aktive Beteiligung von Bürgerschaft und Nachbarschaft verschiedener Generationen ausgerichteter Ort der Kunst entstehen, der auch in der Zusammenarbeit mit regionalen, überregionalen und internationalen Partnern Dresden als Kulturstadt in ihrer Vielfalt sichtbar und für unterschiedliche Zielgruppen zugänglich macht.

Stadtgesellschaft und kulturelle Teilhabe

Themen der Umwelt und des nachhaltigen Umgangs mit dem Verhältnis von Landschaft und Ressourcen sind seit Jahren Gegenstand auch der im Kunsthaus Dresden präsentierten zeitgenössischen Kunst. In unmittelbarer Nähe zur ehemaligen Kantine des Dresdner Computerkombinats sollen künftig Künstler*innen temporäre und dauerhafte Projekte zur Kunst am Bau, exemplarische Projekte der Gartenkunst und des Urban Gardening umsetzen und damit die Anwohnerschaft an der aktiven Gestaltung des sich neu formierenden Quartiers teilhaben lassen.

Wesentlicher Fokus dieser Vision für einen Bau, an dessen Entstehungsgeschichte Künstler sichtbar beteiligt waren, ist es, die Kunstgeschichte vor und nach 1989 zu versöhnen und ganz aktuelle Gegenwartskunst im Dialog mit der baubezogenen Kunst, wie sie in Dresden zwischen 1958 und 1990 vor allem um Karl-Heinz Adler und Friedrich Kracht entstanden ist, zu zeigen. So soll eine Dauerstellung eine Brücke zur Geschichte des Robotron-Areals und der Produktionsgenossenschaft Kunst am Bau Dresden schlagen.
Die Aufgabe, den Erhalt des architektonischen Erbes durch seine  Nutzung zu sichern und im kulturellen Erleben der Stadtgesellschaft zu verankern, ist über die musealen Kernaufgaben hinaus als eine wichtige Verpflichtung der Museen festgehalten. Das Kunsthaus Dresden gehört seit 1. Januar 2017 zu den Museen der Stadt Dresden.

Bereits im 2008 vom Stadtrat verabschiedeten Kulturentwicklungsplan wird auf die Defizite der bisherigen Räume des teilsanierten Gebäudes in der Rähnitzgasse, dessen kleinteilige Altbaustruktur sich wenig für die Präsentation von Gegenwartskunst eignet, und in dem Flächen für kulturelle Bildung wie auch Veranstaltungsräume vollständig fehlen, hingewiesen.  Der ungeeignete Standort wird hier wie folgt beschrieben: „Eines der wichtigsten Instrumente zur Förderung der zeitgenössischen Künste stellt die Unterstützung ihrer öffentlichen Präsentation bzw. der Distribution dar. Dies gilt insbesondere für bildende Kunst und Literatur. Deshalb ist die weitere Profilierung des Kunsthauses Dresden zum Ort des künstlerischen Experiments, an dem Gegenwartsprobleme verhandelt werden, bzw. zum Ort der Präsentation von internationaler Gegenwartskunst ein Schwerpunkt. Längerfristig gilt es, andere räumliche Lösungen ins Auge zu fassen, die per se eine Erhöhung der öffentlichen Aufmerksamkeit und eine Aufwertung des Genres mit sich bringen.“

Partner und Empfehlungen

Das Nutzungskonzept für die ehemalige Betriebsgaststätte  wird von einer Vielzahl an Empfehlungsschreiben und Interessensbekundungen flankiert. So sprachen sich der Rektor der Hochschule für Bildende Künste Dresden Matthias Flügge und die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden Marion Ackermann für die Umsetzung der vorgelegten Planung aus und formulierten ihren Wunsch, die Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus am neuen Standort weiter auszubauen.

Positive Stellungnahmen kamen auch vom neu gegründeten Kunstverein Dresden e.V., dem Landesverband Bildende Kunst Sachsen e.V., von Memorare Pacem. Gesellschaft für Friedenskultur Dresden und dem Dresdner Geschichtsverein e.V.., der Architektenkammer Sachsen und dem BDA Landesverband Sachsen. Weitere Zustimmung erhielt das Konzept von überregionalen Kulturinstitutionen so u.a. wie dem Bereich Bildende Kunst des Goethe-Instituts in München und aus der Fakultät Kunst und Gestaltung der Bauhaus-­Universität Weimar.