Exhibition

Today 15. Feb – 21. May 2018

The Trouble With Grandparents

Place: Kunsthaus

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  • Kyung-hwa Choi-ahoi:
    Kyung-hwa Choi-ahoi: "Ein Storch singt und ein Ruderer pfeifft", 2017
  • Mila Panić: “Burning Field”, 2017,  Kamera: Miroslav Ciric  © Mila Panic
    Mila Panić: “Burning Field”, 2017, Kamera: Miroslav Ciric © Mila Panic
  • Antje Engelmann:
    Antje Engelmann: "Gallensteine" aus der Serie "Ihr seid zu schwer, ich kann Euch nicht tragen", 2017

Our relation to history and tradition is determined not only in an abstract sense, but also by our engagement with and the subsequent acceptance or critical rejection of concrete historical events or cultural lines of tradition. Often, this is quite specific, as with our the relation to preceding generations—for example, our grandparents—and the cultural environment they have left behind—and into which we are born. It is the grandparents we love, but whose heritage, be it life plans or tableware, we cannot adopt in our altered life-world. Whether and how we accept the material and immaterial heritage, integrating it in our life or rather leaving it behind, is a decision-making process that often lasts an entire life and mostly begins when the loved, feared, or unknown persons are no longer there.
What is said and left unsaid, individual life stories, aesthetic decisions and contemporary history appear to be inextricably linked in this heritage and the imprint with which we grow up and for which our grandparents stand as a cipher. Positive and negative emotions, acceptance and rejection, can occur at the same time. Already when the older generation is still alive, comfort and affection often stand in a tensional relationship to resistance against social control and an unbridgeable generation gap.

The artworks in the exhibition The Trouble With Grandparents visualize and make comprehensible these familiar processes of coming to terms. The focus of the show is on forms of upbringing that one often becomes aware of only much later in life, as well as on the expanded space of tradition and the global perspective of a younger generation of artists mainly living in Germany. Alongside the engagement with the National Socialist past and the cultural heritage of the GDR, they have been influenced in a wide variety of ways.

Welche Beziehung zu Geschichte und Tradition wir haben, entscheidet sich nicht nur in der Auseinandersetzung mit besonderen historischen Ereignissen oder kulturellen Traditionslinien. Häufiger wird sie  persönlich und greifbar in der konkreten Beziehung zu den vorangegangenen Generationen – zum Beispiel zu den Großeltern – und dem von diesen hinterlassenen kulturellen Umfeld, in das wir hineingeboren werden. Es sind die Großeltern, die wir lieben, und deren Erbe – seien es Lebensentwürfe oder Geschirr – wir doch nicht in unsere veränderte Lebenswelt übernehmen können. Ob und in welcher Form wir das materielle und immaterielle Erbe annehmen, in unser Leben einbeziehen wollen oder besser hinter uns lassen, ist ein Entscheidungsprozess, der oftmals ein Leben lang währt.
Ausgesprochenes und Unausgesprochenes, individuelle Lebensgeschichten, manchmal auch Lebenslügen, ästhetische Entscheidungen, moralische Urteile, Erfolgsgeschichten und Niederlagen sind in diesem Erbe und der Prägung, mit der wir aufwachsen, und für die die Großeltern als Chiffre stehen, scheinbar unauflösbar miteinander verquickt. Überdies sind die Großeltern die ersten Repräsentanten ihrer Zeit und deren politischer Verfasstheit: Wo warst Du, als …?

Gerade ein Schweigen hinterlässt Spuren in den nachfolgenden Generationen.

Die künstlerischen Arbeiten in der Ausstellung Immer Ärger mit den Großeltern machen Verarbeitungsprozesse sichtbar, die uns allen vertraut sind aber oftmals erst viel später im Leben bewusst wahrgenommen werden können.

Der geweitete Traditionsraum und die globale Perspektive einer jungen Generation von Künstlerinnen und Künstlern mit Lebensschwerpunkt in Deutschland umfasst unter anderem die Zeit der japanischen Kolonialherrschaft in Korea, das Erbe kolonialer rassistischer Ideologien, brachliegende Grundstücke in Bosnien-Herzegowina, die paradoxe Geschichte der Donauschwaben, die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit sowie den architektonischen, kulturellen und politischen Nachlass der DDR und der Transformationszeit nach 1989.

Inspiriert durch eine von dem Künstler Ingo Vetter kuratierte Ausstellung im Künstlerhaus Sootbörn in Hamburg wurde Immer Ärger mit den Großeltern in Zusammenarbeit mit den beteiligten Künstlerinnen und Künstlern durch das Kunsthaus Dresden weiterentwickelt. Die Ausstellung wird im Kontext der Dresdner Gedenkveranstaltungen im Februar 2018 auch als ein Beitrag zu Fragen der Erinnerungskultur gezeigt. Dies wurde ermöglicht durch die Förderung der Stiftung Kunstfonds Bonn, für die wir ausdrücklich danken.

 

Events:

  • Exhibition, Performance

    Place: Kunsthaus

    Thu, 15. Feb 2018, 19 Uhr

    Eröffnung mit Performance "Das Erbe" und Musik von DJ Bonnie S

    Das ›Erbe‹, welches der audiovisuellen Performance ihren Titel gibt, ist eine Kiste voller Briefe und Aufzeichnungen von Linda Ellen Tessloffs Urgroßvater, dem Sozialisten und Verleger Ernst Tessloff, Briefe des Widerstands gegen die Nazis und aus dem Exil, Beschreibungen von Kunstwerken, Filmen und Reiseerlebnissen. Ohne dass Urgroßvater und Urenkelin einander je kennengelernt haben, gibt es Nähen und ähnliche Wahrnehmungen, denen die Künstlerin in der Performance nachgeht. Texte aus den ererbten Briefen werden collagiert mit eigenen Texten und Reiseberichten, die fast hundert Jahre später entstanden. Die Schauspielerin Winnie Ricarda Bistram begibt sich auf eine Reise durch verschiedene Zeiten und leiht den Texten ihre Stimme. Eigene Kompositionen der Künstlerin und das Sound Design von Harald Günter Kainer bilden den musikalischen Rahmen.
    Anschließend kurze einführende Worte von Christiane Mennicke- Schwarz (Künstlerische Leiterin Kunsthaus Dresden) und Ingo Vetter (Künstler und Co-Initiator der Ausstellung).

  • Talk

    Place: ZfBK - Zentrum für baukultur Sachsen, Kulturpalast

    Tue, 27. Feb 2018, 19 Uhr

    Das Erbe der Ostmoderne

    Architektur und Städtebau der 1960er und 1970er Jahre sind mittlerweile im Denkmalpflegealltag angekommen und Teil einer fachübergreifenden Diskussion. Urbane Identität entsteht aus den Entscheidungen einer nachwachsenden Gesellschaft und im Zusammenspiel verschiedener bauhistorischer Epochen. In Dresden wird diese Debatte gegenwärtig auch anhand eines neuen Nutzungskonzeptes für die ehemalige Robotron-Kantine als Standort für Gegenwartskunst aktuell. Welche Möglichkeiten und Beispiele des Umgangs mit dem architektonischen Erbe gibt es? Was geschieht mit den zahlreichen künstlerischen baubezogenen Arbeiten, die oftmals in den Architekturen integriert sind? Und Teil welcher Identitäten können diese Gebäude sein oder werden?

    Eine Veranstaltung des Freundeskreises des Kunsthaus Dresden e.V.

  • Talk

    Place: Kunsthaus

    Thu, 8. Mar 2018, 19 Uhr

    Lange Schatten

    Welches Erbe haben die Nachkommen nationalsozialistischer Täter zu tragen und wie gehen Familien mit diesem Erbe um? Das
    2016 erschienene Buch ›Der lange Schatten der Täter – Nachkommen stellen sich ihrer NS-Familiengeschichte‹ von Alexandra Senfft betrachtet die transgenerationellen Folgen des Nationalsozialismus und versucht einen Dialog mit den Opfern und ihren Nachkommen. Auch Ingo Vetters künstlerische Arbeit in der Ausstellung thematisiert den Umgang mit dem eigenen Familienerbe und berührt die Frage nach der Täterschaft seiner Vorfahren, während Amit Epstein in der Trilogie ›Stockholm Syndrom‹ und seinem Film ›Gloomy Sabbath‹ den Ambivalenzen von Schuld, Trauma und Geborgenheit aus zwei Perspektiven nachspürt: einer durch die Großeltern geprägten europäisch-israelischen Exilkultur und einer mit der schuldhaften Beteiligung ihrer Großeltern an den NS-Verbrechen konfrontierten dritten Generation in Deutschland. Alexandra Senfft spricht nach der Vorstellung ihres Buches mit den Künstlern Ingo Vetter und Amit Epstein über das Erbe von Schuld und Verantwortung.

  • Talk

    Place: Kunsthaus

    Tue, 10. Apr 2018, 19 Uhr

    Ihr seid zu schwer, ich kann Euch nicht tragen / Lieber Wladimir Putin

    Antje Engelmann zeigt in der Ausstellung eine Videoarbeit und eine Installation, in denen sie die donauschwäbische Geschichte ihrer Familie aufgreift und der Frage nachgeht, inwieweit sich unverarbeitete Traumata von Flucht und Vertreibung, aber auch Schuld, über die vier Generationen hinweg innerhalb ihrer Familie vererben, auch als konkrete körperliche Symptome. Sven Johnes Arbeit ›Lieber Wladimir Putin‹ lässt den möglichen Vertreter einer Großelterngeneration sprechen. Der etwa 70-jährige, in Dresden lebende Peter Bittel richtet sich in Erinnerung an seine Zeit als Bauingenieur in der Sowjetunion in einem Brief mit seinen Sorgen an den russischen Präsidenten. Johne verarbeitet mit dem Film auch Erfahrungen der Elterngeneration in der eigenen Familie, der in der Nachwendezeit der Boden unter den
    Füßen wegbrach.

  • Talk, Reading

    Place: Kunsthaus

    Thu, 3. May 2018, 19 Uhr

    Kasten über ernstes Wissen, deutsch / Betonplastiken im Gespräch

    Lisa Maria Baiers begehbare Rauminstallation ›Kasten über ernstes Wissen, deutsch‹ vereint wie eine Wunderkammer Widersprüche und Kontinuitäten deutscher Alltagsbildwelten der vierziger Jahre und der Nachkriegszeit. Angeregt durch ihre eigene Familiengeschichte arbeitet Lisa Maria Baier mit dem kommunistischen wie auch faschistischen visuellen Erbe ihrer Großelterngeneration und betreibt eine Art Bestandsaufnahme der Bildwelten, die sich in ihrem eigenen künstlerischen Vokabular angelagert haben.
    Wilhelm Klotzek leiht der Debattenkultur zum architektonischen Erbe seine Stimme – höchst unterhaltsam persifliert ›Das architektonische
    Trio‹ die TV-Sprache der Talkshows und den Diskurs über Abriss und Neubau sowie über architektonische Visionen und städtebauliche Sünden der Eltern- und Großelterngeneration in Berlin. In der von Wilhelm Klotzek live aufgeführten Lesung ›Betonplastiken im Gespräch‹ debattieren ein ausgemustertes Betonrelief der Ausbildungsstätte Hans Beimler Henningsdorf, die Fahnen-Monumentalplastik aus Halle an der Saale sowie ein Warnemünder Lotsendenkmal im Rahmen einer Talkshow über den Umgang mit Betonskulpturen in der ehemaligen DDR, über Demontagen, politische Verantwortung und Schuld.