Festival

12. Oct – 14. Oct 2012

Test Run

Place: Kunsthaus

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  • Sarah K. Balzat: Sonakinatography, Festival Test Run, 2012
    Sarah K. Balzat: Sonakinatography, Festival Test Run, 2012

Festival Part I

Beiträge von: Ulf Aminde, Sarah K. Balzat / Channa Horwitz, Gerry Bibby, Julianne Csapo, Daniel Triebe, Falco Kneschke, Yael Davids, Hella Gerlach, Liz Rosenfeld / Imogen Heath, Karl Holmqvist, Channa Horwitz, David Levine, Adam Linder, Anne Retzlaff, Megan Sullivan, Gerard Byrne, Wojciech Bruszewski, Keren Cytter, Discoteca Flaming Star , Jimmie Durham, Michael Elmgreen & Ingar Dragset, Liam Gillick / Anton Vidokle, Aneta Grzeszykowska, Karl Holmqvist, Judith Hopf / Henrik Olesen, Judith Hopf, Annika Larsson / Samuel Nyholm, Anna Molska, Amy Patton, Mario Pfeifer, Elodie Pong, Mathilde Rosier, Markus Schinwald, Martin Skauen, Chicks on Speed  / Douglas Gordon, Teresa Tyszkiewicz, Clemens von Wedemeyer, Annette Wehrmann, Aleksandra Went / Alicja Karska

Theoretische Beiträge und Präsentationen von Berit Stumpf, Nina Tecklenburg, Sandra Umathum, Olaf Stüberrina Zdeljar (XS)

Das dreitägige Festival „Test Run“ am Kunsthaus Dresden – Städtische Galerie für Gegenwartskunst ist der erste Teil des Festivals „Test”. Der zweite Teil „Testing (Re-)Production” wird in Kooperation mit dem ms² Muzeum Sztuki in Łodz, Polen, vom 11.- 12. Januar 2013 durchgeführt. Das Festival „Test“ ist ein Format des mehrphasigen Projekts „Various Stages – Bedingte Bühnen“, das außerdem die Ausstellung „Settings“ und den „Salon Rähnitz“ umfasst.

Thema des Festivals ist die Performativität der Kunst. „Test Run“ findet in der Ausstellung „Settings“, im Innenhof und auf dem Platz des Kunsthauses statt, wodurch der Fokus auf „Theatralität“ und „Die ganze Welt ist eine Bühne“ gesetzt wird. Das Programm umfasst Performance-Lectures, Performances, Tanz, Filmvorführungen und Installationen sowie theoretische Beiträge. Auf diese Weise werden die in der Ausstellung „Settings“ und beim „Salon Rähnitz“ am Kunsthaus Dresden in Gang gesetzten Auseinandersetzungen und Bewegungen durch das Format eines Festivals erweitert.

Die Begriffe, die in der Konzeption der Formate Ausstellung, Salon und Festival angelegt sind, werden diskursiv verhandelt: Ist mit „Setting“ zum einen ein Schauplatz oder ein Milieu bezeichnet, kann es zum anderen auch zur Bestimmung einer Richtung in zeitlicher und räumlicher Hinsicht verwendet werden. Das „Szenario“ hingegen steht für den Entwurf einer Situation oder eines Ablaufs und umfasst Möglichkeitsbedingungen. Im technischen Sinn ist die „Bühne“ eine bauliche Konstruktion, ein bewegliches Podest für den Auftritt; im Theater umfasst sie den Raum der Handlung oder steht gar für das Theater selbst. Der „Test“ unterwirft einen Prozess einer Serie von Abläufen unter tatsächlichen oder simulierten Bedingungen, um sich seiner Durchführbarkeit zu vergewissern. Verstanden als „Probelauf“ unterstreicht er den experimentellen Charakter und impliziert ein Scheitern. Der Begriff der „Rolle“ beinhaltet Erwartungen, die Zuweisung einer Aufgabe oder der Stellung in einer Gruppe – u
nd beinhaltet stets die Differenz zum Individuum. Die „Reproduktion“ steht für massenhafte, automatisierte und effiziente Verfahren der Vervielfältigung mittels Technik und bildet den Gegensatz zur Einzigartigkeit eines Materials oder eines Werks.

Im Festival treffen Künstlerinnen, Theoretiker, Kuratoren und Publikum aufeinandertreffen. Es ist einem Filmset vergleichbar, an dem Situationen durchgespielt werden, die für die Erfahrung und Rezeption performativer Arbeiten bestimmend sind. Diese Bedingungen werden in einem der Teamarbeit ähnlichen Zusammenspiel ausgeleuchtet. Die am Festival teilnehmenden Personen nehmen die Rolle der Theoretikerin, des Kritikers, Künstlers, Besuchers bzw. Betrachters ein und erproben die vielschichtigen Modi der Inszenierung, Aufführung und Rezeption performativer Künste.

Der Titel „Test Run“ verweist auf das Aufkommen neuer ästhetischer Formen im 20. Jahrhundert, bei denen das künstlerische Werk zunächst einem technischen Apparat vorgeführt wird, wie es Walter Benjamin in seinem Kunstwerk-Aufsatz mit Bezug auf den frühen Film beschreibt. Am Filmset wird die Darstellung erprobt und getestet, und so ihre Tauglichkeit für das Filmerleben. Der technische Apparat nimmt die Rolle der Betrachterin ein. Die verschiedenen Stadien des In-Szene-Setzens werden getestet und erforscht: Lichteinfall, Authentizität der Rolle, Wirklichkeitsnähe, Einheitlichkeit der Erzählung, Besucherbewegung. Auch im fertigen Film bleibt der Apparat Schnittstelle zwischen Betrachter und Inszenierung. Diese Form des Testens am Filmset hatte zum Ziel, die Bedingungen der Materialität und Medialität zu verbergen. Nouvelle Vague oder der Neue Deutsche Film nahmen dagegen die Bedingungen der Herstellung in die filmische Erzählung und Darstellung mit hinein, um die Möglichkeiten u
nd Begrenzungen der Illusionsmaschine zu befragen.

Das Festival greift auf der thematischen Ebene den Vorgang des Probens, Testens und Reproduzierens explizit auf. Auf der Ebene der Präsentation wird das Format der Veranstaltung in den Fokus genommen. Es geht auf beiden Ebenen zuallererst darum, diese Vorgänge zu thematisieren und ihre Bedingungen herauszustellen. Die eingeladenen Theoretiker, Performer, Künstler und Filmemacherinnen gestalten und verhandeln nicht länger einen Index für eine „außerkünstlerische Wirklichkeit“, sondern das Immanente des Mediums und des Formats, und sie reflektieren dabei seine jeweiligen Formen der Herstellung und seine Verfahren des Zeigens. Anders als in dem strikt modernistischen Sinn Clement Greenbergs, dem es darum ging, die „Reinheit“ moderner Kunst in ihrem „An sich“ oder auch in ihrer „irreduziblen Essenz“ freizulegen, ergibt sich hier eine implizite Kritik: Das Festival beleuchtet die Selbstreferentialität des Mediums und des Formats als ein Merkmal von Kritik zeitgenössischer Kunst.

Am Kunsthaus Dresden werden im Verlauf von „Test Run“ einige der in der Ausstellung „Settings“ gezeigten Arbeiten performativ erweitert. Auf diese Weise findet eine Verschränkung zwischen dem Modus des Zeigens (in) einer Ausstellung und (während) einer Aufführung statt. Hella Gerlach wird Elemente aus ihrer Raum-Installation weiter in Bewegung setzen. Adam Linder entwickelt eine Performance am Schauplatz von Baghramians erotischer Imagination einer Begegnung der Akteure von Laverrière und Mollino. Channa Horwitz’ im Treppenhaus umgesetzte Notation wird von der Tänzerin und Choreographin Sarah Balzat ergänzt. Kalin Lindenas Statist wird von der Künstlerin für einen Gehtanz zum Einsatz gebracht. David Lamelas‘ Lichtkegel und Nebelmaschine werden performativ aktiviert. Yael Davids wird die Möglichkeiten von Dokumentation und Wiederholung – als Techniken der memoria – in Bezug zu ihrer monumentalen Glasskulptur in einer Performance erproben.