27. Jun – 7. Jul 2024

Geb. 7. Oktober 1977, Alexandria, gest. 1. Juli 2009, Dresden (ein Kommentar)

Ort: Zum Gedenken / In Commemoration

Einen Moment bitte,
die Bilder werden geladen …

Zum Gedenken an den Tod von Marwa El Sherbini am 1. Juli 2009 / Eine Fotografieserie von Susanne Keichel

Mit dem Teilen der Fotoserie Geb. 7. Oktober 1977, Alexandria, gest. 1. Juli 2009, Dresden (ein Kommentar) der Dresdner Künstlerin und Fotografin  Susanne Keichel möchten wir zum Gedenken an den 15. Jahrestag des Todes von Marwa Ali El-Sherbini beitragen.

Marwa El-Sherbini wurde am 1. Juli 2009 als Zeugin eines Strafprozesses im Dresdner Landgericht vom Angeklagten des Prozesses aus islam- und ausländerfeindlichen Motiven erstochen.

Marwa Ali El-Sherbini war eine ägyptische Handballnationalspielerin und ausgebildete Pharmazeutin. Sie war als Apothekerin tätig und lebte mit ihrem Mann und ihrem dreijährigen Sohn in Dresden und war zum Zeitpunkt ihrer Ermordung mit einem zweiten Kind schwanger. Auf einem Dresdner Spielplatz war Marwa El-Sherbini im August 2008 von ihrem späteren Mörder als „Islamistin“ und „Terroristin“ beschimpft worden. Nach einer Anzeige bei der Polizei kam es am 1. Juli 2009 zur Gerichtsverhandlung im Dresdner Landgericht. Als Marwa El-Sherbini den Gerichtssaal nach ihrer Zeugenaussage mit ihrer Familie verlassen wollte, tötete sie der Angeklagte, der Russlanddeutsche Alex Wiens, mit zahlreichen Messerstichen und verletzte auch ihren Mann, der versuchte, sie zu schützen, lebensgefährlich. Der dreijährige Sohn war ebenfalls im Gerichtssaal.

Dass der Mord mitten im Gerichtssaal stattfinden konnte, löste eine intensive Diskussion um strukturellen Rassismus und die Sicherheit an den Gerichten aus. Es hatte trotz Morddrohungen des Angeklagten, die dem Gericht vorlagen, keine Waffenkontrollen am Gebäudeeingang oder im Gerichtssaal gegeben. Ein hinzukommender Polizist verletzte mit einem Schuss Marwa El-Sherbinis Mann, den er für den Angreifer hielt. Der Täter wurde wegen vorsätzlichen Mordes und Mordversuches in einem weiteren Prozess im Oktober 2009 zu lebenslanger Haft verurteilt; die besondere Schwere seiner Schuld wurde festgestellt.

Susanne Keichels Aufnahmen seit 2009 zeigen den Tatort und die Gedenkfeiern anlässlich ihres Todes aus der Perspektive einer Anwesenden. Im Gegensatz zu ikonischen Pressebildern sind es Details und Fragmente, die das Geschehen nur bruchstückhaft andeuten. Sie dokumentieren ein Gefühl der Betroffenheit und Ohnmacht angesichts einer Tat, die vor den Augen aller stattfand.

In Dresden erinnert die Initiative „Gedenken.Erinnern.Mahnen“  jährlich am 1. Juli an Marwa El Sherbini mit dem Ziel, ein Zeichen für eine weltoffene und tolerante Gesellschaft zu setzen, in der niemand aufgrund von Herkunft, Religion und Aussehen diskriminiert oder angegriffen wird. Der Initiative gehören verschiedene Einrichtungen und Vereine wie der Ausländerrat Dresden e. V., Projekte Frauentreff und Dresdner Migrationsgeschichten, die Regionale Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie e.V. (RAA – Sachsen e.V.) AFROPA e. V., der Johannstädter Kulturtreff und der Integrations- und Ausländerbeirat an.Weitere Informationen auch unter https://gegenuns.de/marwa-el-sherbini/ und auf der Seite Demokratie und Respekt unter Dresden.de

Eine Auswahl aus der Serie ist noch bis 7. Juli im Stadtmuseum Dresden in der Ausstellung „MENSCHENanSCHAUEN: Von Blicken zu Taten im Stadtmuseum“ zu sehen. Mehr unter „Raster der Gewalt. Von Blicken zu Taten.“ Die gesamte Serie „Geb. 7. Oktober 1977, Alexandria, gest. 1. Juli 2009, Dresden (ein Kommentar)“ von Susanne Keichel wird ab dem 30. August in der robotron-Kantine gezeigt.